Gedenkgottesdienst und Filmabend zum 81. Jahrestag des Todesmarsches Hersbruck – Lauterhofen - Dachau
Von Jürgen Schlegel: Die Kath. Pfarrgemeinde Lauterhofen hat anlässlich des 81. Jahrestages der Todesmärsche von Hersbruck nach Dachau im April 1945 zu einem Gedenkgottesdienst in die Pfarrkirche St. Michael eingeladen. Zelebriert wurde er von Pfarrer Gerhard Ehrl, der sich sehr für die Aufarbeitung des Geschehens einsetzt, sowie Pfarrer Roland Klein aus Heldmannsberg.
Letzterer erinnerte in seinem Grußwort daran, dass die Aufarbeitung der Geschichte des Konzentrationsaußenlagers Hersbruck erst mit der Facharbeit eines Schülers am Gymnasium Hersbruck 1983 begann. Bis in die 1980er Jahre sei, so Klein, das Thema totgeschwiegen worden. Der Verfasser Gerd Vanselow selbst wurde für seine Arbeit zunächst als Nestbeschmutzer bezeichnet und angefeindet. Klein betonte, man müsse unbedingt schauen, dass die Ereignisse von damals in Erinnerung blieben.
Pfarrer Ehrl fügte hinzu, die Menschen hätten sich in Lauterhofen schwergetan, sich mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Er mahnte allerdings auch zur Vorsicht, in der heutigen Zeit über Ereignisse im Dritten Reich zu urteilen, in dem man nicht gelebt hätte. Und er betonte auch, es hätte immer Menschen gegeben, die gegen den Strom geschwommen seien, wie zum Beispiel Franz Jägerstätter in Linz. Er wurde allein deswegen hingerichtet, weil er den Wehrdienst verweigert hatte.
Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Versöhnung und Frieden“. Gegenstand des Abends war das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche. Pfarrer Ehrl stellte aber ebenso das Gedenken an viele andere Leidtragende heraus, wie in der Ukraine oder im Nahen Osten.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde im Pfarrsaal ein im Juli 2015 in der Mittelschule Lauterhofen gedrehter Film gezeigt. Dieser galt einige Jahre lang als verschollen. In diesem von Gottfried Franz gedrehten Film berichten Lauterhofener über ihre Kindheitserlebnisse im April 1945. Sie führten am 7. April und an den Tagen danach in fünf Kolonnen mit je 600 Häftlingen von Happurg in Richtung Dachau. Die Ernährung war unzureichend. Häftlinge, die vor Erschöpfung nicht weitergehen konnten, wurden unterwegs zurückgelassen oder erschossen. Die Häftlinge kamen auch durch Gebertshofen und Lauterhofen.
Ein Todesmarsch zog nach Kastl weiter, ein anderer Richtung Velburg. Befreit wurden die KZ-Häftlinge in Schmidmühlen bzw. Saal an der Donau. In dem Film berichten Karl Graml und seine Schwester Pauline Bodenloher, Barbara Fruth, Josef Gruner und Willi Graf aus ihrer Kindheit. „Das war schrecklich“, erklärte Fruth im Hinblick auf die abgemagerten Häftlinge, denen man nichts zu essen geben durfte. Und sie fuhr fort: „Alle sind auf der Straße gestanden und niemand hat den Leuten helfen können“. Bodenloher merkte an, man hätte keinem getraut, auch Verwandten nicht, weil man nicht gewusst hätte, ob sie für oder gegen Hitler sind. Graml ergänzte, es hätte ein autoritäres System geherrscht, mit dem obersten Prinzip Gehorsam.
Bürgermeister Ludwig Lang erklärte im Anschluss an den Film, es sei wichtig, dass Zeitzeugen befragt und die Ereignisse dokumentiert würden. Ausdrücklich bedankte er sich bei denjenigen, die sich damit beschäftigen. Der Film sei ein wichtiger Lehrauftrag in der Schule gewesen. Bürgermeister Lang als auch Klaus Wiedemann, der Vorsitzende des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck, zeigten sich erfreut über das große Interesse. 70 Zuhörer fanden den Weg in den Pfarrsaal. Wiedemann erläuterte, dass das KZ Hersbruck von Anfang Mai 1944 bis April 1945 existierte, als zweitgrößtes Außenlager des KZ Flossenbürg. 9000 Häftlinge aus 23 Nationen seien hier inhaftiert gewesen. Auf den Todesmärschen allein seien 500 Menschen gestorben. Die Jugendlichen wurden im Film dazu aufgefordert, aufzupassen in der heutigen Zeit, wachsam zu sein. Der Zeitzeuge Hans Renner erinnerte an die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, was noch gar nicht so lange her ist. Er sei als Demonstrant vor Ort gewesen: „Da wurde die Demokratie von der Polizei mit Wasserwerfern niedergespritzt“.

