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Seligsprechungsprozess für Br. Gottlieb Auer OSB
Pfarrverband
Lauterhofen


Seligsprechungsprozess ist eröffnet!
St. Ottilien, 3. Januar 2010

Liebe Freunde!

Am 28. Dezember 2009 um 10.30 Uhr (o.Z.) hat Bischof Jang „das bischöfliche Erhebungsverfahren“, den sogen. Diözesan-Prozeß zur Seligsprechung der Märtyrer von Tokwon in der Abteikirche von Waegwan (Südkora) eröffnet.
Bischof Jang ist Bischof der Diözese von Chuncheon (Südkorea) und Apostolischer Administrator der Diözese Hamheung (Nordkorea). Hamheung gehörte zum Abteigebiet von Tokwon.
Bischof Jang hat in diesem Jahr sein 75. Lebensjahr vollendet und wird demnächst sein Rücktrittsgesuch in Rom einreichen. Die Koreanische Bischofskonferenz hat ihn beauftragt, den Prozeß der Seligsprechung zu Ende zu führen.
Die nächste Sitzung des bischöflichen Erhebungsverfahrens findet statt am 15. April 2010 in Chuncheon (Südkorea).
Weitere Informationen:
http://www.missionsbenediktiner.de/seligsprechung/cms/kategorie/newsdetail.php

Bilder können Sie sehen: http://picasaweb.google.com/WillibrordDriever/EroffnungDesProzesses#

Für den positiven Ausgang des Prozesses in Rom wird der Nachweis der Verehrung der Märtyrer wichtig sein, wie er in den Gebetserhörungen dokumentiert ist. Die bisher eingegangenen Gebetserhörungen sind nicht sehr zahlreich und können hier nachgelesen werden: http://www.missionsbenediktiner.de/seligsprechung/cms/kategorie
 (Im Falle von Therese Neumann von Konnersreuth sind die Gebetserhörungen so zahlreich, dass die Aktenordner einen Aktenschrank füllen.)

Mit freundlichen Grüßen

P. Willibrord Driever OSB
Vizepostulator



Bruder Gottlieb (Johann Baptist) Auer, Missionsbenediktiner
"Johann Baptist Auer wurde am 25.10.1887 in Lauterhofen in der Nähe von Neumarkt, das zum Bistum Eichstätt gehört, geboren. Seine Eltern waren Michael A. und Katharina, geb. A. Der Vater war Gütler. Johann wuchs mit drei Brüdern und drei Schwestern auf.
Als Zimmermannsgeselle trat A. im Dezember 1906 in St. Ottilien ein und wurde am 4.10.1907 als Br. Gottlieb ins Noviziat aufgenommen. Die Profess legte er am 10.10.1909 ab. Am 3.5.1914 wurde er nach Seoul ausgesandt. Er kam gleich bei Kriegsbeginn, nach Tsingtau eingezogen, in japanische Gefangenschaft, aus der er erst 1920 entlassen wurde. Er benutzte die Kriegsgefangenschaft zur Weiterbildung und erlernte von einem mitgefangenen Techniker das Bauzeichnen. A. war auch lange Jahre der Missionsfotograf. Ab Mai 1949 war er um seines Glaubens willen im Gefängnis in Pjöngjang und dann im Lager Oksadok. Dort starb er am 6.4.1952 an Lungenentzündung." (in: Renner, Frumentius, P. OSB in: „Zeugen für Christus“. Bd. II., Hg.: Moll, Helmut. Paderborn, 1999 S. 1191.)


Der Konvent der Benediktiner von Tokwon 1937
2. Reihe rechts außen: Br. Gottlieb Auer OSB, Lauterhofen (Großonkel von Fr. Schrollinger, Lauterhofen)
2. Reihe, 5.von links: P. Gabriel Frömmer OSB, Lauterhofen (Onkel von Ernst Geitner, Lauterhofen)

Bericht der Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert OSB
"Br. GOTTLIEB AUER arbeitete im Anfang meist bei den Bauten und Holzarbeiten mit. Er war von Tokwon her schon etwas kränklich, hielt sich aber lange Zeit erstaunlich gut. Gelegentlich war er auch bei den Feldarbeiten beteiligt, meistens aber, besonders in der Zeit nach Manpo, besorgte er das Sägen und Holzspalten für die Küche und einen Teil der übrigen Heizungen. Dabei konnte er etwas Rücksicht nehmen auf seine schwache Gesundheit, gelegentlich eine Ruhepause einschalten und sich bei Regenwetter unter Dach stellen. Wie manchmal habe ich ihm selber beim Sägen geholfen, wenn ich neben meinen ärztlichen Verpflichtungen etwas freie Zeit hatte, und er war es eigentlich, der mir die Kunst des Sägens und Hackens beigebracht hat. Eines Tages, es war am 4. April 1952, bei Tau- und Schneewetter, mußte auch er mit den anderen in den Wald zum Holzfällen gehen. Es war ein schrecklicher Sturm dabei und das Schneewasser war rasch durch die Strohsandalen hindurch gedrungen, so daß er fröstelte und mit naßkalten Füßen seine Arbeit tat. Auf Rat seiner Mitbrüder wollte er den Arbeitsplatz früher verlassen, aber es wurde ihm nicht erlaubt, und bereits am nächsten Tag mußte er sich mit Fieber und starken Seitenschmerzen legen. Rasch entwickelte sich eine Lungenentzündung, deren ich mit den vorhandenen Mitteln nicht Herr werden konnte. Die Herzkraft ließ vom 5. April ab zusehends nach und reagierte nicht mehr auf Injektionen. Am 6. April schlief unser guter Bruder Gottlieb friedlich und ruhig ein. Seine stille, feine, bescheidene, anspruchslose Art hat mich immer tief beeindruckt. Er war ein Muster von Ordnung in all seinem Tun, ich glaube, daß der liebe Gott auch bei ihm alles in Ordnung fand und seinen treuen Diener belohnte in der Ewigkeit." (in: Schicksal in Korea. Deutsche Missionäre berichten, St. Ottilien, 21974, S. 78.)


Die Gegend um das Lager Oksadok


"Abtbischof Bonifaz Sauer, P. Benedikt Kim und Gefährten"
So heißt die Gruppe der Kandidaten und Kandidatinnen für die Seligsprechung. Zu dieser Gruppe gehören insgesamt 36 Personen, davon folgende Märtyrer und Märtyrinnen aus unserer Heimat (in Klammern die Diözese)
Abtbischof Bonifaz Sauer, Oberuffhausen (Fulda) Kerkerhaft
Br. Gottlieb Auer aus Lauterhofen (Eichstätt) Lagerhaft
P. Canut d’Avernas aus Schirmdorf (Graz-Seckau) Lagerhaft
P. Dagobert Enk aus München, Hinrichtung
Br. Paschalis Fangauer aus Egglfing (Regensburg) verhungert
Br. Ludwig Fischer, Unterstelzhausen (Rottenburg) Hinrichtung
Br. Ildefons Flötzinger aus Taiding (München) verhungert
Br. Petrus Gernert aus Kleinwenkheim (Würzburg), Lagerhaft
Sr. Fructuosa Gerstmayer aus Weingarten (Rottenburg), Lagerhaft
Br. Gregor Giegerich, Großwallstadt (Würzburg) Hinrichtung
Br. Josef Grahamer aus Eisenhofen (München) Hinrichtung
Br. Basilius Hauser aus Polling (München) Lagerhaft
Br. Solanus Hermann aus Thal/Illerberg (Augsburg) Lagerhaft
Br. Hilarius Hoiss, Unterau/Schlehdorf (München) verhungert
P. Rupert Klingseis aus München-Au, Kerkerhaft, verhungert
Br. Eusebius Lohmeier aus Mering (Augsburg) Lagerhaft
Br. Markus Metzger, Monatshausen (Augsburg) verhungert
Br. Eugen Ostermeier aus München, Lagerhaft
P. Kunibert Ott aus Edelstetten (Augsburg) Erschöpfung
P. Anselm Romer aus Ingerkingen (Rottenburg) Erschöpfung
P. Lucius Roth aus Weichtungen (Würzburg) Hinrichtung
P. Arnulf Schleicher aus Pflaumloch (Rottenburg) Lagerhaft
Sr. M. Eva Schütz aus Bernried (Augsburg) Lagerhaft
P. Gregor Sorger aus Spaichingen (Rottenburg) Lagerhaft
P. Gregor Steger aus Tröbes (Regensburg) Hinrichtung
Die Benediktinerabtei Tokwon (Nordkorea): Ihre Gründung - Ausbreitung - Aufhebung
"Die Missionsbenediktiner von St. Ottilien wurden 1909 nach Korea gerufen und sollten die französischen Missionare auf dem schulischen Sektor unterstützen. Sie begannen in Seoul mit einem Lehrerseminar. Doch erhoben die Japaner, die Korea unterjocht hatten, dagegen Einspruch. Die Koreaner durften nicht in gehobene Stellungen kommen. Schon zu Beginn wurde in Seoul mit dem Kloster eine Handwerkerschule gegründet, die sich gut entfaltete. Das Kloster St. Benedikt in Seoul erhielt genügend Nachwuchs aus den bayerischen Klöstern der Ottilianer Kongregation und wurde 1913 Abtei. Der Erste Weltkrieg führte notgedrungen zu einem gewissen Stillstand. Doch überstand die Abtei diese schwere Zeit.
Im Jahr 1920 wurde das Apostolische Vikariat Wonsan errichtet und den Missionsbenediktinern übertragen, ein Gebiet vom 38. bis 48. Breitengrad, aus verschiedenen Diözesen abgetrennt. Davon wurde 1930 der nördlichste Teil, Ilan, abgetrennt und den Tiroler Kapuzinern übergeben. 1928 wurde der noch verbleibende nordwestliche Teil als Apostolische Präfektur Yenki - heute Diözese - ein selbständiger Sprengel. Das Vikariat Wonsan selbst erfuhr 1941 eine Umwandlung. Der Süden mit Wonsan wurde zur Abbatia nullius Tokwon umgewandelt, da die Abtei 1927 nach Tokwon nahe Wonsan verlegt worden war. Der nördliche Teil, bis zum 42. Grad reichend, mit dem Zentrum in der Provinzhauptstadt Hamhung, wurde abgetrennt und ist inzwischen zur Diözese geworden.
Am 8.8.1945 erklärte Russland an Japan den Krieg und marschierte sogleich in die Mandschurei und Korea ein. Es kam an verschiedenen Orten zu kriegerischen Aktionen, so auch in der Stadt Hoiryong, nahe dem 42. Breitengrad. Das Missionspersonal musste samt der Bevölkerung fliehen. P. Witmar Farrenkopf, der Stationsobere, kehrte jedoch möglichst bald wieder zurück. Er wurde noch in der folgenden Nacht - es war am 22.8. - von Kommunisten ermordet. Er ist als Missionar um seines Glaubens willen getötet worden. Es war zwar Religionsfreiheit proklamiert, jedoch waren die Kommunisten meist dem Christentum gegenüber feindlich eingestellt. Einer solchen religionsfeindlichen Aktion ist P. Witmar zum Opfer gefallen.
Als die Russen acht Monate später abziehen mussten, traten an ihre Stelle die koreanischen Kommunisten, die jedes missionarische Wirken verboten und mit Brutalität unterdrückten. Im September 1948 kam es zu Wahlen. Die Kommunisten stellten eine Einheitsliste auf und errangen damit den Sieg. So ist es zur Gründung der sog. Demokratischen Volksrepublik gekommen. Für die Missionstätigkeit begann damit eine neue Periode. Schon 1944 waren in der Mandschurei und in Korea alle Schulen verstaatlicht worden. Nun kam es auch offiziell zu Behinderungen der eigentlichen Missionstätigkeit, regional noch verschieden, je nach der Einstellung der jeweiligen Behörden. Mehr oder weniger standen die Missionare unter Polizeiaufsicht, waren in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt.
Da ein neues Nationalgefühl erwachte, nachdem das Joch der Japaner abgeschüttelt war, mussten auch die Missionare als Ausländer empfunden werden, eine Antipathie, die sich auch auf die christliche Botschaft übertrug. Außerdem war zu sehen, dass die Missionare in keiner Weise bereit waren, dem Kommunismus mit Sympathie zu begegnen. Ihre antikommunistische Einstellung konnte nicht geduldet werden. Im Mai 1949 war es soweit, dass die Kommunisten zum Generalangriff übergingen. Ein gut vorbereitetes Programm war ausgearbeitet. Es wurde schlagartig ins Werk gesetzt durch eine radikale Vernichtung des gesamten Missionswerkes. Es begann mit der Aufhebung der Abtei Tokwon. Über die Zeit bis zur Aufhebung Tokwons fehlen leider hinreichende Berichte. Der Briefverkehr ins Ausland, also nach Europa, unterlag der Zensur - auch in der Mandschurei.
Das Apostolische Vikariat Wonsan wurde 1920 neu geschaffen und den Benediktinern übertragen. Die Missionare und der Bischof lebten in Seoul, etwa 350 km vom südlichsten Punkt des Gebietes entfernt. Daher galt es, die Abtei nach Nordkorea, möglichst nahe zu Wonsan zu verlegen. Das geschah 1927. In Tokwon entstand das neue Kloster.
Das Vikariat hatte eine Längenausdehnung von ca. l 100 km und reichte bis zum Zusammenfluss von Amur und Ussuri. Erst galt es Fuß zu fassen, sodann aber das große Gebiet aufzuteilen. 1928 wurde der mandschurische Teil mit Yenki als Zentrum eigenes Gebiet. Das Nordgebiet Ilan wurde den Tiroler Kapuzinern übertragen. Das Südgebiet aber wurde 1941/42 aufgeteilt in die gefreite Abtei Tokwon (mit drei Stationen) und die heutige Diözese Hamhung. Bischof Sauer aber blieb vorerst Ordinarius - auch für Hamhung.
In Yenki, als selbständigem Missionsgebiet (seit 1946 Diözese), wurde ebenfalls eine Abtei errichtet als monastisches Zentrum der Missionare. Diese wurde schon 1946 Opfer des Kommunismus, drei Jahre vor Tokwon. Für die einheimischen Mönche von Tokwon und Yenki galt es, nach dem Koreakrieg einen neuen monastischen Stützpunkt zu schaffen. Auf diese Weise ist 1952 der Grund zum Kloster  Waegwan gelegt worden, das die europäischen Missionare aufbauen halfen. Heute ist es ein eigentlich koreanisches Kloster unter einem einheimischen Abt.
In der Nacht vom 9. auf den 10.5.1949 besetzte die koreanische kommunistische Geheimpolizei das Kloster Tokwon und verhaftete sogleich sämtliche Obere von Kloster und Priesterseminar, zwei Tage darauf den gesamten Konvent und führte sie in Gefängnisse ab. Es waren etwa 70 Personen, davon an die 20 Tutzinger Schwestern.
Die zuerst - am 20.5. - Verhafteten wurden nach harter Kerkerhaft und Folterung in Pjöngjang getötet, die zweite Gruppe aber nach Gefängnishaft in einem Internierungslager untergebracht, aus dem die noch Überlebenden im November 1953 frei gelassen und in die europäische Heimat abgeschoben wurden." (Renner, Frumentius, P. OSB in: „Zeugen für Christus“. Bd. II.. Hg.: Moll, Helmut. Paderborn, 1999, S. 1174 f.)

Im Gefängnis von Pyongyang wurden im Oktober 1950, vermutlich nach einem Prozess und nach mancherlei Torturen (asiatische Grausamkeit) ermordet: drei europäische Patres, drei europäische Brüder, sowie vier koreanische Patres von Tokwon. Pater Maurus Kim von der Abtei Yenki, der anscheinend mit dem Konvent von Tokwon verhaftet wurde, wurde am 8.10.1950 in Wonsan hingerichtet.
Der Konvent von Tokwon war in Pyongyang in verschiedenen Gefängnissen. Beieinander waren die 20 Tutzinger Schwestern. Ein Teil der Brüder wurde am 25.6. ins Internierungslager Oksadok transportiert, der größere Teil aber erst am 5.8. in Pyongyang in Fahrt gesetzt, eine Strecke weit waren im Zug auch die Tutzinger Schwestern. Im gleichen Lager Oksadok waren auch die zwei Tutzinger Missionsbenediktinerinnen. Unter äußersten Entbehrungen waren die Internierten gezwungen, schwerste körperliche Arbeit zu leisten. Sie erlitten das bis zur Erschöpfung um des Glaubens willen.


Die von den Kommunisten zerstörte Klosterkirche von Towkon


Die Gegend um die ehemalige Benediktinerabtei Tokwon


Weitere Informationen über das Martyrium der Korea-Missionare und den Seligsprechungsprozess finden Sie auf der Homepage der Erzabtei St. Ottilien unter http://www.erzabtei.de/html/Aktuelles/pressearchiv.html#Maertyrer .